Autofahrernation!


Foto: Zanthia, Lizenz CC-BY-NC-SA

Als „Weihnachtsgeschenk für die Bürger“ wird das Bundesverfassungsgerichtsurteil zur Pendlerpauschale bezeichnet. Als kleines Konjunkturpaket. Das soll wohl ein Witz sein? Wer keine Steuern zahlt oder wie ich hohe Mieten, um in der Stadt zu wohnen und kurze Wege zu haben, guckt in die Röhre.

Profitieren tun dagegen diejenigen, die viel im Auto sitzen, sich durch Eigenheim und lange Anfahrtswege an Zersiedelung und Umweltverschmutzung beteiligen. Profitieren tun diejenigen, die selber Natur und Ruhe und niedrige Kosten haben wollen – auf Kosten derjenigen, die die Abgase der Pendler, den Verkehrslärm und den Flächenfraß ausbaden müssen.

Und alles nur, weil die Große Koalition zu feige war, die Pendlerpauschale einfach abzuschaffen. Stattdessen haben sie die 20-km-Grenze eingeführt, die in ihrer Willkürlichkeit nun zum Sargnagel der Reform geworden ist. Zum Schaden der Menschen in den Städten, die übrigens im Schnitt ärmer, kränker und belasteter sind als die VorstädterInnen, denen jetzt der Geldsegen ins Haus steht.

Katja Husen

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8 Antworten zu “Autofahrernation!

  1. Tun tut man nicht benutzten. Aber mal ernsthaft: das Problem ist doch wohl, dass es wichtiger erscheint die Nutzenden von KfZ zufrieden zu stellen als mal wirklich ernsthaft dieses Einkommenssteuerzeugs zu reformieren. Und das Thema Pendlerpauschale scheint auszureichen, um im Bundestag ganz neue Koalitionen zu schmieden (CSU/Linke)

  2. Mich ärgert in diesem Zusammenhang auch, dass man jahrelang kämpft um ein paar wenige gesellschaftliche Veränderungen zu erreichen und dann vor lauter politische Dummheit ein Riesenscherbenhaufen angerichtet wird. Das was derzeit fabriziert wird, wirft uns Jahre zurück. Hilfe eine Krise – jetzt ist alles anders. Kohlendioxid ist nicht mehr so schlimm. Klimawandel später wieder. So viel politischer Mist ist nur noch als Biomasse zu gebrauchen.

  3. Nun ja – ich gehöre irgendwie zu keinem der beiden „Lager“, die Du hier gegenüberstellst: Wohne relativ zentrumsnah in Nürnberg, arbeite in Erlangen, und fahre jeden Tag ca. 11km zur Arbeit – mit öffentlichen Verkehrsmitteln.

  4. @Niklas: Klar, gibt’s Leute, die zu keinem der beiden Lager gehören. Aber ÖPNV ist für Dich eben auch nur eine Option, weil Du in einer Stadt wohnst – wenn auch nicht in der, in der Du arbeitest.
    Viele ziehen aber in die zersiedelten Vororte, die ÖPNV-technisch miserabel angebunden sind, allerdings eine eigene Autobahnabfahrt haben…

  5. Die Pendlerpauschale muss weg. Komplett. Sie belohnt unökologisches Verhalten und verkompliziert unnötig das Steuerrecht.

  6. Die meisten Bürger würden sich wohl aktiv „beraubt“ fühlen, wenn die Steuerentlastung in Form der Pendlerpauschale wegfiele. Dem dadurch beim Volke entstehenden Unmut entgegenzutreten traut sich keine Partei. Es könnte ja Sympathiepunkte — oder noch schlimmer — Wählerstimmen kosten.

    Ich pendle jeden Tag fast 300 km ins Büro und zurück und gehöre damit sicherlich zu den selteneren Sonderfällen. Wir wohnen nicht aus Lust und Laune in einen Vorort, weil es dort grüner ist und ich zwar die Annehmlichkeiten einer Großstadt nutzen, aber dem unbequemen Dreck, Gestank und Lärm aus dem Weg gehen möchte.

    Meine Frau und ich sind damals „in die Pampa“ gezogen, weil sie (Biologin) hier Arbeit gefunden hat — der Arbeitsmarkt ist in dem Umfeld ohne Doktortitel alles andere als rosig. Für mich (Informatiker) gibt es hier leider nichts, meine Projekte finden in Stuttgart oder München statt. PP. Persönliches Pech.

    Die Fahrt mit dem Zug (2:20 h) dauert natürlich länger als mit dem Auto (1:30 h), dennoch bin ich nicht der einzige, der täglich mit dem Zug fährt. Daran sind sicher nicht nur die gestiegenen Spritpreise schuld, sondern vielleicht auch ein Umdenken in punkto Umwelt.

    Ich bin beileibe alles andere als ein Freund der Deutschen Bahn… Aber gerade auf der Strecke Frankfurt–Stuttgart–München könnte die Bahn eine echte Alternative zu Auto oder gar dem Flugzeug darstellen, wenn nicht schon seit Jahren halbgare oder vollkommen kontroverse Pläne für irgendwelche Neubaustrecken oder Vorzeigebahnhöfe in der Schublade vergammeln würden. Stuttgart 21, anyone?

    Die einzig faire Lösung aus meiner Sicht wäre es, die Pendlerpauschale komplett und für alle abzuschaffen. Keinerlei Ausnahmen, das Steuerrecht ist ohnehin schon kompliziert genug.

    Aber bitte, liebe Politiker, fangt dann mit „meinen“ mehr als 9.000 Euro im Jahr (135 km * 200 Arbeitstage * 0,3 Euro) bitte auch was Sinnvolles an.
    Baut Zugstrecken aus, investiert in bessere Anbindungen im öffentlichen Nahverkehr. Gebt den Bürgern endlich eine sinnvolle Alternative zum Auto, statt immer nur heiße Luft zu produzieren.

  7. Der OePNV muss allgemein wieder „lohnender gemacht“ werden. Ich fahre mit Bus und Bahn, aber die Fahrpreise steigen von Jahr zu Jahr nicht gerade unwesentlich. Die Jahreskarte ist ca. 5% teurer geworden. Unter dem Gesichtspunkt sehe ich es mit Argusaugen was Mehdorn aus dem Unternehmen Bahn macht (insbes. seinen Druck auf die Regierung und Lobbyarbeit). M.E. war schon die Teil-Privatisierung nichts Gutes. Aber das ist nur meine Meinung. Ich kenne genug Leute, denen ist die Bahn einfach zu teuer geworden. Was noch hinzu kommt ist das allgemein schlechte „Risiko“-Management wenn z.B. mal ein Strecke gesperrt werden muss gibt es i.d.R. keine vernuenftigen Infos wie es nun weitergeht. Z.B. letzten Mittwoch war zwar der Abschnitt Bad Cannstatt – Waiblingen gesperrt, aber ob man bspw. ueber Marbach nach BK kommt oder via Regio Express (nutzt u.U. anderes Gleis): no information.

  8. Pingback: Mobil ins neue Jahr: Automobilwirtschaft und mehr (1) « GREEN RENAISSANCE

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