Grünes Hellas II: Die CO2-freie Inselwelt

Ios island, Cyclades, Greece 2007
Foto: Titanas, Lizenz

Heutzutage wird der Großteil des griechischen Energiebedarfs durch Kohle und Öl gedeckt. Konkret sieht das so aus: Auf dem Festland stehen Europas schmutzigste Kohlekraftwerke, und auf den Inseln wird fast der gesamte Strom aus ölbetriebenen Kraftwerken erzeugt. Kreuz und quer durch die Ägäis fahren dafür die Öltanker. Ein Tankerunglück in der Ägäis hätte für Griechenland allerdings verheerende Folgen.

Die Nutzung der Atomkraft schließt sich schon wegen des großen Erdbebenrisikos aus. Da der Faktor Mensch in Griechenland eine besondere unkalkulierbare Rolle spielt, bin ich darüber in besonderem Maße erfreut. Ein Beispiel: Das letzte große Fährunglück in Griechenland ereignete sich während eines wichtigen Fussballspiels. Die Schiffscrew setzte sich vor die Mattscheibe, während der Hilfsmatrose das Steuerrad übernahm. Der setzte die Fähre gegen einen Felsen.

Eine Lösung könnte neben der konsequenten Energieeinsparung die Nutzung von Wind und Sonne und Erdwärme sein. All das ist in Griechenland im Überfluss vorhanden. Gerade die Inseln könnten sich so selbst versorgen. Die Nutzung von Biomasse ist zumindest in Nordgriechenland denkbar. Entfallen könnten auch viele für die Ägais gefährlichen Öltransporte zu den Inseln. Die bekannten Inseln wie die Kykladen könnten durch eine Kampagne „CO2-neutrale Inselwelt“ einen riesigen positiven Imageschub erfahren. Neben dem alten Wahrzeichen Mykonos, der Windmühle, stünden Windanlagen für die neue Zeit. Auf einigen Inseln wie Nisiros könnte die Erdwärme genutzt werden.

Leider ist diese Vision noch in weiter Ferne. Zwar gibt es hier und da erste Versuche; allein es fehlt bislang am echten politischen Willen. In der Griechenlandzeitung erschien jüngst ein bitterer Brief eines Deutsch-Griechen, der sich seit Jahren mit der Aufstellung einer Solaranlage auf Kreta beschäftigt. Nach seinen Angaben gibt es weder staatliche Unterstützung wie ein EEG, noch bietet die griechische Elektrizitätsgesellschaft die Möglichkeit einer Netzeinspeisung an. Allerdings wurde mir auch berichtet, es gebe diese Gesetze zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Bis dato konnte ich nicht mehr herausfinden. Widersprechen müssen sich diese beiden Informationen übrigens nicht: Gesetzestext und Wirklichkeit bilden in Griechenland oftmals keine Einheit.

Auf einer deutsch-griechischen Wirtschaftskonferenz hatte ich das Thema Erneuerbare Energien mit Präsidenten von regionalen griechischen Handelskammern angesprochen und berichtet, wie wichtig diese Technologie mittlerweile in Deutschland für das Handwerk ist. Ich erntete nichts weiter als Achselzucken. Es bleibt also noch ein langer Weg.

Daniel Mouratidis

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3 Antworten zu “Grünes Hellas II: Die CO2-freie Inselwelt

  1. Mit Sicherheit ist es notwendig Potentiale auszunutzen, mit Sonnenenergie ist in Griechenland eine sehr hohe Ausbeute möglich.

    Lediglich der Satz „wie wichtig diese Technologie mittlerweile in Deutschland für das Handwerk ist“ zweifel ich stark an. Ohne massive Subventionen sind weder Wind- noch Sonnenenergie überlebensfähig. Bis auf wenige Unternehmen die durch Förderung nicht selten viel Geld verdient haben ist das normale Handwerk doch überhaupt nicht betroffen.

    • idmouratidis

      Wir Grünen sind im Rahmen unserer Tour „Handwerk hat Grünen Boden“ mit vielen Handwerkskammern und handwerksbetrieben ins Gespräch bekommen und der Tenor ist jedes Mal deutlich: Gerade die Installationen bei Solaranlagen, die momentan richtigerweise subventiniert werden, aber auch die rechtlichen Bestimmungen zur energetischen Sanierung von Gebäuden bescheren dem Handwerk Aufträge. Angesichts der Klimakrise und auch der schrumpfenden fossilen Ressourcen ist das auch die richtige politische Handlungsalternative.

  2. Pingback: Erste griechische Insel steigt um auf erneuerbare Energien « GREEN RENAISSANCE

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