Archiv der Kategorie: Mein grüner Alltag

Fast kein Aprilscherz: IKEA LEKO

Screenshot LEKO

Wie u.a. better and green berichtet, wurde das Rätsel um den IKEA LEKO gelöst. Seit einigen Tagen geisterten Hinweise auf die oben dargestellte Website durchs Netz: mit einem Counter bis zum 31.3. und einem im IKEA-Stil verpackten Auto.

Sollte es sich dabei wirklich um ein Auto handeln? Die Titanic zeigt schon mal, wie das mit so einem Auto-Bausatz so wäre.

Das Geheimnis des IKEA LEKO ist jetzt allerdings gelüftet – und hat sich als halber Aprilscherz bzw. ganze Marketingaktion herausgestellt. Unter der Plane steckt – eine Online-Mitfahrzentrale für Frankreich, die Covoiturage IKEA, die zusammen mit dem WWF betrieben wird. Eine interessante Idee – und fast so weit weg vom bisherigen Marktfeld des Möbelhauses wie das Selbstbau-Auto.

Till Westermayer

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Practice what you preach

Street Sign IV: Don't park your UFO here

„Practice, what you preach“ — gerade PolitikerInnen der Grünen wird ja gerne vorgehalten, dass sie doch bitte selbst einen ökologisch vorbildhaften Lebenswandel an den Tag zu legen hätten. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, hunderprozentige „Öko-Korrektheit“ vom grünen Personal zu verlangen. Trotzdem gehe ich davon aus, dass die Ökobilanz der durchschnittlichen grünen Politikerin oder des durchschnittlichen grünen Politikers deutlich besser ausfällt als bei durchschnittlichen Abgeordneten aus anderen Parteien.

Ein Punkt, an dem mir das immer wieder auffällt – wohl vor allem deswegen, weil ich selbst mich für ein Leben ohne Auto entschieden habe – ist der Punkt Führerschein. Natürlich haben auch grüne MinisterInnen Dienstwagen und ChauffeurInnen. Wer aber privat auf das Autofahren verzichtet, wird, denke ich, Bahn und öffentliche Verkehrsmittel auch im politischen Alltag häufiger nutzen als andere. Zudem ist die Kenntnis autoloser Mobilität aus eigener Erfahrung heraus sicherlich von Vorteil für eine weniger autozentrierte Verkehrspolitik.

Hier nun ein paar Beispiele prominenter (deutscher) Grüner ohne Führerschein (der Frage, warum es vor allem Männer sind – und ob der Führerschein immer noch bzw. für die grüne Kerngeneration ein Emanzipationsinstrument für Frauen darstellt bzw. darstellte, wäre gesondert nachzugehen):

  • Jürgen Trittin, Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl, war mal kurze Zeit Verkehrsminister – ohne Führerschein, den er nie gemacht hat (Spiegel Online)
  • Sven Giegold, der von Attac zu den Grünen gekommen ist und für das Europaparlament kandidiert: „Ich bin doch kein Asket! Ich lebe gut.“ (Süddeutsche Zeitung)
  • Reinhard Bütikofer, Spitzenkandidat für die Europawahl (ebenfalls führerscheinlos laut Aussage von Giegold)
  • Andrea Lindlohr, Mitglied im Parteirat der baden-württembergischen Grünen: „Mit 18 in meinem kleinen Heimatdorf (mit Bahnhof) brachte mein jugendlicher Öko-Verantwortungs-Enthusiasmus mir eine recht große Einschränkung meiner Mobilität ein. Heute bin ich mit dem immer noch verbesserungsfähigen, aber guten öffentlichen Verkehr in unserer Region und woanders sehr mobil.“ (Blog)
  • Frank Bsirske, Chef der Gewerkschaft verdi (Süddeutsche Zeitung)
  • Josef Winkler, rheinland-pfälzischer MdB, kommt ebenfalls ohne Führerschein aus (Twitter)

Sicherlich gibt es weitere Beispiele. Das Fehlen eines Führerscheins schützt allerdings auch nicht in jedem Fall vor umweltpolitischem Unsinn, wie das Beispiel Wolfgang Clement (SPD-Realo) deutlich macht. Er soll die Fahrstunden abgebrochen haben, weil er sich mit seinem Fahrlehrer verstritten hatte. Passt.

Till Westermayer. Zuerst veröffentlicht bei autolos.com. Kann gerne ergänzt werden.

Umweltprämie statt Abwrackprämie – VCD wird aktiv

Umweltprämie statt AbwrackprämieWährend die Welt, die beim Thema Schaeffler-Conti klar sieht, noch rätselt, ob die geplanten rettenden Finanzhilfen für Opel (mit Nationalisierung von Anteilen) so erfolgreich werden wie einst die englischen Bemühungen um „British Leyland“ oder ob es sich dabei um eine Abwrackprämie für einen Altmodellbetrieb handelt (weil die erfolgreichen Opel-Kleinwagen nicht in Deutschland entwickelt werden, sondern von der GM-Tochter Chevrolet-Daewoo)… hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) eine beachtliche Campact Kampagne zum Thema Umweltprämie statt Abwrackprämie gestartet:

2.500 Euro bekommt jeder Autokäufer vom Staat, der seinen alten Wagen verschrotten lässt und sich einen neuen kauft. Was ist daran ökologisch?
Herzlich wenig. Was ist mit denen, die kein Auto haben und lieber Bus, Bahn und Rad fahren? Die gehen leer aus. Das nehmen wir nicht hin.

Deshalb haben wir unter http://www.vcd.org/umweltpraemie_jetzt.html eine Protest-E-Mail an das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) vorbereitet:

Blitzschnell kann über unsere Homepage statt einer Abwrackprämie für Pkw eine staatliche Förderung zum Kauf eines neuen Fahrrads und von Bus- und Bahntickets beantragt werden.

Mit dieser symbolischen Aktion kritisieren wir die einseitige staatliche Hilfe für die Automobilindustrie und geben Euch die Möglichkeit, Einspruch einzulegen.

Je mehr Menschen die E-Mail abschicken, desto höher wird der politische Druck. Also, macht mit, erzählt’s weiter, unterstützt uns!

Mache ich doch gerne. Genauer gesagt: Hiermit getan. Um den GreenRen-LeserInnen noch etwas Mehrwert zu bieten der Hinweis darauf, dass der die autolose Mobilität propagierende Daniel Goldberg bereits vor Wochen per Twitter anregte, eine echte Umweltprämie sollte den ihr Altauto abwrackenden Menschen einen Zuschuss von 2500,- Euro auf den Kauf einer BahnCard 100 finanzieren. Ich habe diese Idee seither aufgegriffen und weiterverbreitet – und bin damit nicht nur bei den Vertretern der DB AG (die Herrn Mehdorns Arbeitszeugnis schon vorbereitet haben) auf der Bildungsmesse didacta in Hannover (wo ich das KITA-Bündnis vorstellte) auf große Zustimmung gestossen. Entsprechend hoffe ich, dass der Vorstoss des VCD eure Unterstützung und durch euch weitere Verbreitung findet!

Green IT: Gramm CO2 pro Google-Anfrage

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Das Web 2.0 ist eine tolle Sache, auch, um zum Beispiel Werbung für ökologische Projekte zu machen. Oder um über Nachhaltigkeit zu bloggen. Das Web 2.0 hat allerdings auch seinen ökologischen Fussabdruck.

Jetzt wurde in der britischen Times ein Gastbeitrag des Harvard-Physikers Alex Wissner-Gross veröffentlicht, in dem es einige Überschlagsrechnungen dazu gibt, wie viel Energie – und damit letzlich auch Treibhausgasemissionen – Web 1.0 und Web 2.0 so brauchen (vgl. auch Telepolis).

Dort heißt es, dass der Aufruf komplexerer Websites – Web 2.0 – bis zu 300 mg CO2 pro Sekunde verursacht, während einfache Websites – Web 1.0 – für etwa 20 mg CO2 pro Sekunde Betrachtungszeit verantwortlich sein sollen. Dabei geht es vor allem um den Energieaufwand des Computers, mit dem die Seite betrachtet wird. Je komplexer die Seite ist, und je mehr externe Seitenaufrufe — Energieaufwand verschiedener Server – mit dem Abruf verbunden sind, desto höher werden die Emissionen eingeschätzt. Insofern ist das Web 2.0 schlecht für die Umwelt …

Besonders schlecht schneidet Google ab. Eine einfache Google-Anfrage soll demnach 5 bis 10 Gramm CO2-Emissionen verursachen, also 5000 bis 10000 mg. Schon vor einiger Zeit hat Spiegel Online darüber berichtet, dass „einmal googlen einer Stunde Licht“ entspricht — hier wurden die mit Google verbundenen Emissionen vom Mitbewerber Strato eingeschätzt.

Zum Vergleich: die angepeilte Zielvorgabe der EU für den CO2-Ausstoss im Automobilverkehr liegt bei 120 bis 140 Gramm CO2 pro Kilometer, die heutigen Autos emittieren zumeist deutlich mehr. Ein Elektrowecker braucht z.B. 22 Gramm CO2, eine Portion Bratkartoffeln 40 Gramm CO2. Wie auch immer diese Fußabdrücke genau berechnet wurden (selbst die Emissionen von Twitter lassen sich abschätzen — hier wird zugleich deutlich, wie unscharf diese Angaben sind — Grundlage für die Berechnung sind Computerlaufzeiten eines „Standard-Computers“, die wohl recht hoch geschätzt wurden, ebenso die Schreib- und Lesezeiten. Und das „eh laufen“ ist nochmal eine ganz andere Frage).

Zurück zum vergleichsweise hohen CO2-Ausstoss für Suchanfragen bei Google. Der Grund dafür liegt laut Times in der Infrastruktur, die Google zur Bearbeitung von Suchanfragen verwendet: eine Anfrage wird an mehrere Rechenzentren weitergeleitet, die parallel die Antwort berechnen — die schnellste Reaktion wird dann zurückgegeben.

Google selbst geht allerdings von ganz anderen Daten aus, nämlich von 200 mg bzw. 0,2 Gramm CO2 pro Suchanfrage. Zudem wird auf die eigenen Anstrengungen in Richtung „greening IT“ hingewiesen.

Interessant an dieser ganzen Debatte sind vor allem die indirekten Wirkungen: wer denkt beim Eintippen einer Suchanfrage in die Firefox-Searchbox oder ins Handy schon daran, dass dafür Server in mehreren Rechenzentren schuften müssen – und bisher jedenfalls noch nicht ganz unbedeutende Mengen CO2 dafür freigesetzt werden?

Gute Vorsätze leicht gemacht: Stromwechsel

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Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie viele eigentlich irgendwie ökologisch eingestellte Menschen noch immer keinen Ökostrom beziehen. Diesen kleinen Konsumwandel-Schritt zu gehen, zählt deswegen sicher für einige zu den Neujahrsvorsätzen. Gut so! Da es sich dabei faktisch vor allem um Verrechnungsleistungen zwischen Stromproduzenten handelt, und keinerlei Kabel verlegt werden müssen o.ä., ist das tatsächlich eine Sache von wenigen Minuten.

Wir selbst sind seit einigen Jahren bei den Elektrizitätswerken Schönau (EWS). Preislich sind die äußerst moderat und haben auch deutlich weniger stark angezogen als die Normalpreise der großen Anbieter und großen Stadtwerke. Ökologisch sind sie, soweit ich das beurteilen kann, einigermaßen sinnvoll: der mit unserem Elektrizitätsbezug verrechnete Strom kommt zu etwa 7 % aus modernen Erdgas-Kraft-Wärme-Kopplungen, der Rest ist regenerativ (vorwiegend Wasserkraft aus Neuanlagen). Und die Haltung — statt den Konzessionsvertrag zu verlängern, einfach mal einen neuen und besseren Energieversorger aus dem Boden zu stampfen — gefällt mir auch sehr gut.

Aber ich will jetzt gar nicht für EWS Werbung machen, sondern lieber auf die Website Atomausstieg selber machen hinweisen, die von 21 Verbänden aus dem Umwelt- und Entwicklungsbereich getragen wird und alle Informationen dazu bereit hält, wie in wenigen Schritten vom derzeitigen Versorger zu einem der vier unabhängigen Ökostromanbieter (EWS Schönau, Naturstrom, Lichtblick, Greenpeace Energy) gewechselt werden kann.

Vielleicht klappt’s ja sogar noch vor der Silvesterfeier — die besten guten Vorsätze sind solche, die gar nicht erst gebrochen werden können.

Till Westermayer

Nächste Ausfahrt Weihnachten

Bruchsal I

Weihnachten ist ja nicht nur durch Konsumsteigerungen und Einkaufsstres gekennzeichnet, sondern auch durch Mobilität. Hin zur Familie, weg von der Familie, ganz woanders hin. „Green Renaissance“ hat deswegen gefragt: Wo verbringst du die Weihnachtszeit – und wie kommst du hin?

Diana: „Ich feiere Weihnachten und Silvester dieses Jahr in Freiburg (normalerweise findet mindestens eines davon für mich woanders statt), aber die, die mit mir feiern, kommen mit dem Zug.“

Peter: „Weihnachten verbringe ich bei meinen Eltern. Ich fahre mit dem Zug dorthin.“

Katja: „Weihnachten und Neujahr in Deutschlands Süden. Peinlicherweise bin ich die einzige, die eine Strecke fliegt, der Rest fährt Zug, Autoreisezug und Auto. Ein Auto ist dabei ein Carsharing-Fahrzeug, weil zumindest für einen Teil meiner Familie Mobilität im Allgemeinen autofrei stattfindet.“

Dirk: „… auf dem Weg zu Schwiegereltern und Eltern verlasse ich mich auf die DB AG. Freue mich, dass die Bahn immer noch nicht privatisiert ist und hoffe dass dies so bleibt.“

Zumindest unter den an „Green Renaissance“ Beteiligten scheint es also eine klare Präferenz fürs Zugfahren zu geben – und für Weihnachtsfeiern mit der Familie. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Bleibt die Frage: Wo und wie verbringen die Leserinnen und Leser von „Green Renaissance“ die Weihnachtszeit?

Zehnmal werden wir noch wach

Xmas 2007 IV

In zehn Tagen ist Weihnachten. Aus diesem Anlass stellt „Green Renaissance“ die Frage: Wie hältst Du es mit den Weihnachtsgeschenken? Sich dem Konsumrausch hingeben — oder lieber gar nichts schenken?