Archiv der Kategorie: Hellenische Öko-Revolution

Griechische Sonnenenergie – ein Exportschlager?

Ein Video der Deutschen Welle zum Gedankenanstoss und seiner Praxistauglichkeit:
<

Advertisements

Griechen wollen verbindliches Abkommen

Die Griechische Tageszeitung „Ta-Nea-Online“ vermeldete gestern, dass der neue Ministerpräsident Jiorgos Papandreou circa 56.000 Unterschriften von griechischen BürgerInnen und 2.500 Karten von SchülerInnen entgegennahm, die ihn klar aufforderten ein starkes, verbindiches Abkommen in Kopenhagen zu unterstützen. Die Kampagne wurde von WWF und Greenpeace Griechenland gestartet mit dem Namen „Zusammen für das Klima“ („Μαζί για το κλίμα“).

Tatsächlich…

…ist aber wenig von der neuen Regierung in Sachen Klimaschutz zu erwarten. Jene hat nämlich zur Zeit ganz andere Probleme. Sie muss dringend etwas gegen 13%Haushaltsdefizit unternehmen und Papandreou hat bereits 10% Kürzungen der öffentlichen Ausgaben angekündigt. Dass da etwas für den Klimaschutz, für den ohnehin schon sehr wenig ausgegeben wird, übrig bleibt, darf bezweifelt werden. Papandreou wird nächste Woche, wie viele andere Staatschefs auch, in die dänische Hauptstadt reisen.

Griechische Grünen steigen auf bis zu 7 %

Momentan erscheint es noch wie ein Traum, aber in den letzten Umfragen stehen die griechischen Grünen zwischen 6,2 und 7 Prozent. Das würde bis zu zwei Sitze im Europäischen Parlament bedeuten – zweifellos der größte Erfolg bisher für die dortigen Grünen. Deren Spitzenkandidat Michalis Tremopoulos war während des Europäischen KommunalpolitikerInnenkongress im April mein Gast.

Für eine konsequente ökologische und soziale Politk, die Griechenland so dringend braucht, wäre der Einzug der Grünen ein entscheidender Schritt nach vorne. Also, weiter Daumen drücken bis zum 7. Juni!

Erste griechische Insel steigt um auf erneuerbare Energien

Agios Efstratios
Agios Efstratios, Foto: Christef/Wikipedia, Lizenz

Nachdem ich in einem der letzten Artikel die CO2-freie Inselwelt propagierte, soll nun laut der Griechenlandzeitung die erste griechische Insel komplett auf Öko getrimmt werden. Es handelt sich um das Eiland Agios Efstratios. Die liegt etwas einsam in der Ostägäis und hat rund 270 Einwohner. Bis 2010 soll der Strombedarf komplett aus Sonnen- und Windenergie erzeugt werden. Bislang besorgen das, wie auf anderen Inseln auch üblich, Aggregate, die mit Schweröl (!) betrieben werden. Das ist einserseits nicht der große Wurf, den ich mir wünsche. Eine bekannte Insel wie Mykonos oder Santorini umzustellen, das wäre ein großes Signal gewesen. Andererseits bin ich froh, dass sich nun endlich was tut in Griechenland.

Griechenlands Potenzial ist jedoch weit größer: Nach den Berechnungen aus der Erene-Studie könnte Griechenland bis 2050 seinen Strombedarf aus erneuerbaren Energien nicht nur decken, sondern auch Strom exportieren. Also mit einer Grünen Idee  richtig Geld verdienen.

Daniel Mouratidis

Erste griechische Umwelttagung in Stuttgart

Water games I

Lange, sehr lange hat es gedauert, bis endlich auch mal das Thema Umweltschutz für die griechischstämmigen Menschen im Raum Stuttgart thematisiert wurde. Vor kurzem war es dann soweit. Dank des Einsatzes von Dimitrios Pergialis, einem Journalisten aus dem Raum Stuttgart, fand nun vor kurzem ein Umweltschutzkongress in Stuttgart statt. Hier wohnen in der Region immerhin rund 80.000 griechischstämmige Menschen. Dimitrios bringt übrigens das sehr lesenswerte deutschsprachige Magazin Neafon heraus. Er schreibt oft über Umweltproblematiken in Griechenland.

Das große Thema war die Ägäis. Gäste waren Menschen der Umweltschutz-NGO Archipelagos. Sie arbeiten hauptsächlich auf den Dodekanes, zu dieser Inselgruppe zählen beispielsweise Patmos und Kos. Eindrucksvoll berichteten sie von den verschiedenen Gefahren für die Meereswelt. Dazu zählen unter anderem die Überfischung oder die drohende Gefahr eines Schiffsunglücks in der Ägäis durch mangelhaft geschultes Personal.

In einem weiteren Referat wurde Griechenlands Artenreichtum thematisiert. Rund 15% aller Pflanzen Griechenlands kommen nur dort vor. Insgesamt gesehen ist die Biodiversität erstaunlich: Es gibt rund dreimal so viele Pflanzen wie in Großbritanien. Das liegt insbesondere an den teilweise entlegenen Berg- und Inselregionen wie auch an der Tatsache, dass die klimatischen Unterschiede sehr groß sind. Die Organisation hat zum Schutz dieses Reichtums eine eigene Saatgut-Bank eingerichtet.

Ich lernte anhand verschiedener Tonbeispiele auch, dass die Wale und Delphine der Ägägis einen eigenen Dialekt sprechen.

Der zweite Tag war speziell für Kinder. Da war ich dann nicht dabei. Insgesamt war diese Tagung eine tolle Sache, leider sind viele Griechen immer noch erstaunlich resistent gegenüber Umweltschutz. Das kann aber bald anders werden: Die griechischen Grünen liegen seit Monaten stabil bei 3-4% in den Umfragen, was reichen würde für den Einzug ins griechische wie auch ins europäische Parlament.

Vielleicht können wir so eine Veranstaltung wiederholen – speziell an griechisch- wie türkischstämmige Menschen in Deutschland gerichtet? Der Schutz der Ägäis sollte schließlich beide Anrainer angehen.

Daniel Mouratidis

Griechische Kraftwerke bleiben Dreckschleudern

In der Griechenlandzeitung habe ich die jüngsten Zahlen zur griechischen Stromproduktion gefunden: So stammen beängstigende 58,3% aus Braunkohlekraftwerken, 23% aus Erdgas und gerade einmal 2,8% aus Sonne, Erdwärme und Wind. Zusammen mit den 5% aus Wasserkraft kommt Griechenland also gerade einmal auf 7,8% aus Erneuerbaren Energien. Das ist wirklich skandalös – gerade angesichts der riesigen Möglichkeiten für dieses Land. Mitte Januar wurde ein neues Gesetz zur Förderung der Photovoltaik verabschiedet, es begünstigt aber nur große Anlagen. Und wo bleibt eigentlich die Förderung der Windkraft?

Daniel Mouratidis

Grünes Hellas II: Die CO2-freie Inselwelt

Ios island, Cyclades, Greece 2007
Foto: Titanas, Lizenz

Heutzutage wird der Großteil des griechischen Energiebedarfs durch Kohle und Öl gedeckt. Konkret sieht das so aus: Auf dem Festland stehen Europas schmutzigste Kohlekraftwerke, und auf den Inseln wird fast der gesamte Strom aus ölbetriebenen Kraftwerken erzeugt. Kreuz und quer durch die Ägäis fahren dafür die Öltanker. Ein Tankerunglück in der Ägäis hätte für Griechenland allerdings verheerende Folgen.

Die Nutzung der Atomkraft schließt sich schon wegen des großen Erdbebenrisikos aus. Da der Faktor Mensch in Griechenland eine besondere unkalkulierbare Rolle spielt, bin ich darüber in besonderem Maße erfreut. Ein Beispiel: Das letzte große Fährunglück in Griechenland ereignete sich während eines wichtigen Fussballspiels. Die Schiffscrew setzte sich vor die Mattscheibe, während der Hilfsmatrose das Steuerrad übernahm. Der setzte die Fähre gegen einen Felsen.

Eine Lösung könnte neben der konsequenten Energieeinsparung die Nutzung von Wind und Sonne und Erdwärme sein. All das ist in Griechenland im Überfluss vorhanden. Gerade die Inseln könnten sich so selbst versorgen. Die Nutzung von Biomasse ist zumindest in Nordgriechenland denkbar. Entfallen könnten auch viele für die Ägais gefährlichen Öltransporte zu den Inseln. Die bekannten Inseln wie die Kykladen könnten durch eine Kampagne „CO2-neutrale Inselwelt“ einen riesigen positiven Imageschub erfahren. Neben dem alten Wahrzeichen Mykonos, der Windmühle, stünden Windanlagen für die neue Zeit. Auf einigen Inseln wie Nisiros könnte die Erdwärme genutzt werden.

Leider ist diese Vision noch in weiter Ferne. Zwar gibt es hier und da erste Versuche; allein es fehlt bislang am echten politischen Willen. In der Griechenlandzeitung erschien jüngst ein bitterer Brief eines Deutsch-Griechen, der sich seit Jahren mit der Aufstellung einer Solaranlage auf Kreta beschäftigt. Nach seinen Angaben gibt es weder staatliche Unterstützung wie ein EEG, noch bietet die griechische Elektrizitätsgesellschaft die Möglichkeit einer Netzeinspeisung an. Allerdings wurde mir auch berichtet, es gebe diese Gesetze zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Bis dato konnte ich nicht mehr herausfinden. Widersprechen müssen sich diese beiden Informationen übrigens nicht: Gesetzestext und Wirklichkeit bilden in Griechenland oftmals keine Einheit.

Auf einer deutsch-griechischen Wirtschaftskonferenz hatte ich das Thema Erneuerbare Energien mit Präsidenten von regionalen griechischen Handelskammern angesprochen und berichtet, wie wichtig diese Technologie mittlerweile in Deutschland für das Handwerk ist. Ich erntete nichts weiter als Achselzucken. Es bleibt also noch ein langer Weg.

Daniel Mouratidis