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Fukushima und die Menschenkette -oder- 1979 revisited?

Liebe Freundinnen und Freunde,

die Situation im veralteten AKW Fukushima ist nach diesem Erdbeben kritisch, eine Kernschmelze kann passieren oder in Teilen bereits passiert sein. Die Betreibergesellschaft hat einen schlechten Ruf was Glaubwürdigkeit, Mängelreparaturen und Profit-vor-Sicherheit angeht. Alles ist möglich. Das letzte was Japan und die Welt jetzt brauchen sind deutsche Grüne, die sagen „told you so“. Dass wir Recht hatten damit, zu sagen dass Laufzeitverlängerungen für Schrottreaktoren Schrott sind, sollte nicht unsere Hauptsorge sein.

Aber natürlich ist es so wie 1979: Kurz vor der großen Anti-Atom Demonstration (damals Hannover wegen Gorleben, heute Stuttgart bis Neckarwestheim) gerät ein Atomkraftwerk soweit ausser Kontrolle dass keiner mehr weiss wie eine völlige Kernschmelze vermieden werden könnte. Natürlich hat das die Menschen bewegt und natürlich hat es zur Menschenmenge und zu Albrechts damaliger „Entsorgungspark“-Zusage beigetragen. Weiterlesen

Umweltprämie statt Abwrackprämie – VCD wird aktiv

Umweltprämie statt AbwrackprämieWährend die Welt, die beim Thema Schaeffler-Conti klar sieht, noch rätselt, ob die geplanten rettenden Finanzhilfen für Opel (mit Nationalisierung von Anteilen) so erfolgreich werden wie einst die englischen Bemühungen um „British Leyland“ oder ob es sich dabei um eine Abwrackprämie für einen Altmodellbetrieb handelt (weil die erfolgreichen Opel-Kleinwagen nicht in Deutschland entwickelt werden, sondern von der GM-Tochter Chevrolet-Daewoo)… hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) eine beachtliche Campact Kampagne zum Thema Umweltprämie statt Abwrackprämie gestartet:

2.500 Euro bekommt jeder Autokäufer vom Staat, der seinen alten Wagen verschrotten lässt und sich einen neuen kauft. Was ist daran ökologisch?
Herzlich wenig. Was ist mit denen, die kein Auto haben und lieber Bus, Bahn und Rad fahren? Die gehen leer aus. Das nehmen wir nicht hin.

Deshalb haben wir unter http://www.vcd.org/umweltpraemie_jetzt.html eine Protest-E-Mail an das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) vorbereitet:

Blitzschnell kann über unsere Homepage statt einer Abwrackprämie für Pkw eine staatliche Förderung zum Kauf eines neuen Fahrrads und von Bus- und Bahntickets beantragt werden.

Mit dieser symbolischen Aktion kritisieren wir die einseitige staatliche Hilfe für die Automobilindustrie und geben Euch die Möglichkeit, Einspruch einzulegen.

Je mehr Menschen die E-Mail abschicken, desto höher wird der politische Druck. Also, macht mit, erzählt’s weiter, unterstützt uns!

Mache ich doch gerne. Genauer gesagt: Hiermit getan. Um den GreenRen-LeserInnen noch etwas Mehrwert zu bieten der Hinweis darauf, dass der die autolose Mobilität propagierende Daniel Goldberg bereits vor Wochen per Twitter anregte, eine echte Umweltprämie sollte den ihr Altauto abwrackenden Menschen einen Zuschuss von 2500,- Euro auf den Kauf einer BahnCard 100 finanzieren. Ich habe diese Idee seither aufgegriffen und weiterverbreitet – und bin damit nicht nur bei den Vertretern der DB AG (die Herrn Mehdorns Arbeitszeugnis schon vorbereitet haben) auf der Bildungsmesse didacta in Hannover (wo ich das KITA-Bündnis vorstellte) auf große Zustimmung gestossen. Entsprechend hoffe ich, dass der Vorstoss des VCD eure Unterstützung und durch euch weitere Verbreitung findet!

Poznań: Weichenstellung für das Klima

Industrial idyll III

Derzeit (noch bis zum 12.12.) findet im polnischen Poznań/Posen die 14. COP statt, also eine der großen UN-Konferenzen zum Klimawandel. Es geht um den Umsetzungsstand des Kyoto-Protokolls und um die Vorbereitung des Nachfolgeprotokolls. Die offiziellen Informationen dazu sind auf der Website der UNFCCC zu finden. Kritisch begleitet wird die Konferenz u.a. durch Germanwatch, die auf einer Sonderseite über Konferenzergebnisse berichten und über Hintergründe informieren.

Das bisherige Fazit von Germanwatch ist unerfreulich:

Gleich ist Halbzeit bei den Posener Klimaverhandlungen. Ernüchterung macht sich unter den Gruppen der Zivilgesellschaft breit. Die Weichen des Klimazugs, der eigentlich Richtung Kopenhagen erheblich Geschwindigkeit aufnehmen müsste, scheinen falsch gestellt zu sein und es scheint auch – im wahrsten Sinne des Wortes – nicht weniger, sondern mehr Kohle zur Feuerung des Zuges vorgesehen zu werden. […]

Vor allem die EU macht uns große Sorgen. Sie muss hier in Posen zeigen, dass sie nach den großen Ankündigungen im letzten Jahr auch tatsächlich ehrgeizig umsetzen will. So sieht es aufgrund der massiven Lobbyarbeit der Industrie aber gar nicht aus und die mageren Anstrengungen werden dann den Kopenhagen-Prozess massiv negativ beeinflussen.

Wer auf die EU — und hier insbesondere auf Bundeskanzlerin Merkel — einwirken will, die Weichen doch noch richtig zu stellen, und sich nicht von der Autoindustrie einpacken zu lassen, kann dies bei einer Aktion von Campact! tun, u.a. mit einer eMail an Merkel. Zum aktuellen Zeitpunkt fehlen noch 35 Unterschriften, um die 10.000 rund zu machen.

Till Westermayer