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Practice what you preach

Street Sign IV: Don't park your UFO here

„Practice, what you preach“ — gerade PolitikerInnen der Grünen wird ja gerne vorgehalten, dass sie doch bitte selbst einen ökologisch vorbildhaften Lebenswandel an den Tag zu legen hätten. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, hunderprozentige „Öko-Korrektheit“ vom grünen Personal zu verlangen. Trotzdem gehe ich davon aus, dass die Ökobilanz der durchschnittlichen grünen Politikerin oder des durchschnittlichen grünen Politikers deutlich besser ausfällt als bei durchschnittlichen Abgeordneten aus anderen Parteien.

Ein Punkt, an dem mir das immer wieder auffällt – wohl vor allem deswegen, weil ich selbst mich für ein Leben ohne Auto entschieden habe – ist der Punkt Führerschein. Natürlich haben auch grüne MinisterInnen Dienstwagen und ChauffeurInnen. Wer aber privat auf das Autofahren verzichtet, wird, denke ich, Bahn und öffentliche Verkehrsmittel auch im politischen Alltag häufiger nutzen als andere. Zudem ist die Kenntnis autoloser Mobilität aus eigener Erfahrung heraus sicherlich von Vorteil für eine weniger autozentrierte Verkehrspolitik.

Hier nun ein paar Beispiele prominenter (deutscher) Grüner ohne Führerschein (der Frage, warum es vor allem Männer sind – und ob der Führerschein immer noch bzw. für die grüne Kerngeneration ein Emanzipationsinstrument für Frauen darstellt bzw. darstellte, wäre gesondert nachzugehen):

  • Jürgen Trittin, Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl, war mal kurze Zeit Verkehrsminister – ohne Führerschein, den er nie gemacht hat (Spiegel Online)
  • Sven Giegold, der von Attac zu den Grünen gekommen ist und für das Europaparlament kandidiert: „Ich bin doch kein Asket! Ich lebe gut.“ (Süddeutsche Zeitung)
  • Reinhard Bütikofer, Spitzenkandidat für die Europawahl (ebenfalls führerscheinlos laut Aussage von Giegold)
  • Andrea Lindlohr, Mitglied im Parteirat der baden-württembergischen Grünen: „Mit 18 in meinem kleinen Heimatdorf (mit Bahnhof) brachte mein jugendlicher Öko-Verantwortungs-Enthusiasmus mir eine recht große Einschränkung meiner Mobilität ein. Heute bin ich mit dem immer noch verbesserungsfähigen, aber guten öffentlichen Verkehr in unserer Region und woanders sehr mobil.“ (Blog)
  • Frank Bsirske, Chef der Gewerkschaft verdi (Süddeutsche Zeitung)
  • Josef Winkler, rheinland-pfälzischer MdB, kommt ebenfalls ohne Führerschein aus (Twitter)

Sicherlich gibt es weitere Beispiele. Das Fehlen eines Führerscheins schützt allerdings auch nicht in jedem Fall vor umweltpolitischem Unsinn, wie das Beispiel Wolfgang Clement (SPD-Realo) deutlich macht. Er soll die Fahrstunden abgebrochen haben, weil er sich mit seinem Fahrlehrer verstritten hatte. Passt.

Till Westermayer. Zuerst veröffentlicht bei autolos.com. Kann gerne ergänzt werden.