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Green IT: Gramm CO2 pro Google-Anfrage

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Das Web 2.0 ist eine tolle Sache, auch, um zum Beispiel Werbung für ökologische Projekte zu machen. Oder um über Nachhaltigkeit zu bloggen. Das Web 2.0 hat allerdings auch seinen ökologischen Fussabdruck.

Jetzt wurde in der britischen Times ein Gastbeitrag des Harvard-Physikers Alex Wissner-Gross veröffentlicht, in dem es einige Überschlagsrechnungen dazu gibt, wie viel Energie – und damit letzlich auch Treibhausgasemissionen – Web 1.0 und Web 2.0 so brauchen (vgl. auch Telepolis).

Dort heißt es, dass der Aufruf komplexerer Websites – Web 2.0 – bis zu 300 mg CO2 pro Sekunde verursacht, während einfache Websites – Web 1.0 – für etwa 20 mg CO2 pro Sekunde Betrachtungszeit verantwortlich sein sollen. Dabei geht es vor allem um den Energieaufwand des Computers, mit dem die Seite betrachtet wird. Je komplexer die Seite ist, und je mehr externe Seitenaufrufe — Energieaufwand verschiedener Server – mit dem Abruf verbunden sind, desto höher werden die Emissionen eingeschätzt. Insofern ist das Web 2.0 schlecht für die Umwelt …

Besonders schlecht schneidet Google ab. Eine einfache Google-Anfrage soll demnach 5 bis 10 Gramm CO2-Emissionen verursachen, also 5000 bis 10000 mg. Schon vor einiger Zeit hat Spiegel Online darüber berichtet, dass „einmal googlen einer Stunde Licht“ entspricht — hier wurden die mit Google verbundenen Emissionen vom Mitbewerber Strato eingeschätzt.

Zum Vergleich: die angepeilte Zielvorgabe der EU für den CO2-Ausstoss im Automobilverkehr liegt bei 120 bis 140 Gramm CO2 pro Kilometer, die heutigen Autos emittieren zumeist deutlich mehr. Ein Elektrowecker braucht z.B. 22 Gramm CO2, eine Portion Bratkartoffeln 40 Gramm CO2. Wie auch immer diese Fußabdrücke genau berechnet wurden (selbst die Emissionen von Twitter lassen sich abschätzen — hier wird zugleich deutlich, wie unscharf diese Angaben sind — Grundlage für die Berechnung sind Computerlaufzeiten eines „Standard-Computers“, die wohl recht hoch geschätzt wurden, ebenso die Schreib- und Lesezeiten. Und das „eh laufen“ ist nochmal eine ganz andere Frage).

Zurück zum vergleichsweise hohen CO2-Ausstoss für Suchanfragen bei Google. Der Grund dafür liegt laut Times in der Infrastruktur, die Google zur Bearbeitung von Suchanfragen verwendet: eine Anfrage wird an mehrere Rechenzentren weitergeleitet, die parallel die Antwort berechnen — die schnellste Reaktion wird dann zurückgegeben.

Google selbst geht allerdings von ganz anderen Daten aus, nämlich von 200 mg bzw. 0,2 Gramm CO2 pro Suchanfrage. Zudem wird auf die eigenen Anstrengungen in Richtung „greening IT“ hingewiesen.

Interessant an dieser ganzen Debatte sind vor allem die indirekten Wirkungen: wer denkt beim Eintippen einer Suchanfrage in die Firefox-Searchbox oder ins Handy schon daran, dass dafür Server in mehreren Rechenzentren schuften müssen – und bisher jedenfalls noch nicht ganz unbedeutende Mengen CO2 dafür freigesetzt werden?