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Klimakonferenz-Tracking

„Green Renaissance“ hatte ein wenig unter dem Europawahlkampf (und diversen privaten Veränderungen …) zu leiden. Trotzdem darf ein wichtiger Hinweis nicht fehlen – nämlich der auf die aktuelle Vorbereitungskonferenz zu Kopenhagen und vor allem auf climateblogger.org – ein Blog, dass live aus Bonn von der Vorbereitungskonferenz berichtet. Wie es dazu kam, steht hier.

Lesenswert!

Till Westermayer

P.S.: Auch bei wir-klimaretter.de gibt es den täglichen Bericht aus Bonn.

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Entzugserscheinungen

Wir hatten über das umstrittene LOHAFEX-Experiment berichtet: den Versuch, über das großflächige Ausbringen von Eisen im antarktischen Meer Algen zur CO2-Bindung zu bringen. Wie jetzt u.a. in SpOn zu lesen ist, war LOHAFEX wenig erfolgreich bzw. erwies sich umgekehrt als echtes Experiment (Ausgang ungewiss):

Feedbackschleifen (Zunahme von Frassfeinden etc) und Sättigungseffekte sorgten dafür, dass kaum CO2 gebunden werden konnte. Damit ist schön deutlich geworden, dass die scheinbar so eleganten großtechnischen Lösungen des Klimaproblems ganz so einfach wohl auch nicht funktionieren. Um einen gesellschaftlichen „Kohlenstoffentzug“ (vgl. auch carbon de-tox, eines der aktuellen Hip-Bücher zum Klimawandel) kommen wir also wohl nicht herum.

Till Westermayer

Riskante Klimaschutztechnologie

Black baltic water (with rain)

In den letzten Wochen gab es recht heftige Auseinandersetzungen darum, ob das deutsch-indische Kooperationsprojekt LOHAFEX gestoppt werden soll oder nicht. Auch dem grünen Parteitag letztes Wochenende lag ein – aus Zeitgründen dann nicht behandelter – Antrag vor, für den Abbruch von LOHAFEX einzutreten. Heute dann die Meldung, dass aus Sicht der Bundesregierung keine rechtlichen oder ökologischen Hinderungsgründe vorliegen. Der WWF und andere bleiben kritisch.

Worum geht es? Das Schiff „Polarstern“ des Alfred-Wegener-Instituts möchte im (antarktischen) Südpazifik eine experimentelle Eisendüngung durchführen. Es soll unter realen Bedingungen untersucht werden, was mit dem Algenwachstum passiert, wenn das Meer mit 20 Tonnen Eisensulfat „gedüngt“ wird. KritikerInnen werfen LOHAFEX vor, dass dieses Experiment unkalkulierbare Auswirkungen auf die Meereslebewesen hat — und dass es gegen das erst im letzten Jahr von der 9. Vetragsstaatenkonferenz der UN-Konvention über die Sicherung der biologischen Vielfalt (CDB) verabschiedete Moratorium für derartige Düngungen verstößt. Pikanterweise liegt der Vorsitz der CDB derzeit bei Deutschland.

An dieser Stelle geht es mir nun gar nicht um das konkrete Experiment. Ich kann nicht beurteilen, ob der Nutzen durch Hinweise darauf, wie Algenwachstum und CO2-Bindung durch das Meer zusammenhängen, größer ist, als der mögliche Schaden, der durch die großflächige Experimentaldüngung erfolgt. Vielmehr sind es zwei Punkte, die beide mit Überlegungen zum „Terraforming“ Erde zusammenhängen.

Zum einen stellt sich die generelle Frage danach, ob es ökologisch und ethisch vertretbar ist, auf risikobehaftete Großtechnologien zur Bekämpfung des Klimawandels zu setzen, wie sie bisher eher in Science-Fiction-Romanen als in der Realität zu finden sind. Die Meeresdüngung ist ein Beispiel dafür, andere wären etwa die massive Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen mit höherer CO2-Bindung oder das Ausbringen von Partikeln in oberen Atmosphärenregionen. Also letztlich sowas wie ein globales „climate engineering“. Sind derartige Eingriffe durch den politischen Wunsch nach Klimaschutz gedeckt, oder übersteigen sie die menschliche Handlungsfähigkeit?

Zum anderen – und da wird es dann doch wieder etwas konkreter: wer entscheidet, was mit dem Planeten insgesamt geschieht? Bisher sind die entsprechenden internationalen Abkommen ja vor allem auf den Schutz vor nicht gewollten Eingriffen in globale Systeme ausgelegt (etwa das FCKW-Verbot gegen das Ozonloch, Abkommen, bestimmte Stoffe nicht zu verwenden, oder allgemeine Übereinkünfte in Richtung Schutz der Biodiversität). Die mit dem Kyoto-Protokoll verbundenen Maßnahmenbündel gehen teilweise schon in eine andere Richtung (Aufforstungen als aktive – und monetarisierbare – Klimaschutzmaßnahme beispielsweise).

Aber wie sähe das bei dem (ebenfall der Science Fiction entnommenen …) Szenario aus, dass nicht ein „kleines“ Forschungs z.B. ein Meeresdüngungsexperiment durchführt, sondern dass z.B. der neugewählte US-Präsident Obama beschließt, aufgrund der Verantwortung Amerikas für die Welt und der Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen unilateral mit Meeresdüngung (oder vergleichbaren Technologien) im industriellen Maßstab anzufangen? Vorstellbar wäre so etwas durchaus. Und dann?

Till Westermayer

P.S.: Heute finde ich bei „The Great Beyond“ (Nature) einen kurzen Hinweis auf eine Studie, die verschiedene „Geo-Engineering“-Projekte nach ihrer Effizienz (und nicht nach anderen Kriterien) untersucht hat. Demnach müsste, wenn überhaupt, eher die Atmosphäre verdunkelt werden als der Ozean gedüngt.

Grünes Hellas II: Die CO2-freie Inselwelt

Ios island, Cyclades, Greece 2007
Foto: Titanas, Lizenz

Heutzutage wird der Großteil des griechischen Energiebedarfs durch Kohle und Öl gedeckt. Konkret sieht das so aus: Auf dem Festland stehen Europas schmutzigste Kohlekraftwerke, und auf den Inseln wird fast der gesamte Strom aus ölbetriebenen Kraftwerken erzeugt. Kreuz und quer durch die Ägäis fahren dafür die Öltanker. Ein Tankerunglück in der Ägäis hätte für Griechenland allerdings verheerende Folgen.

Die Nutzung der Atomkraft schließt sich schon wegen des großen Erdbebenrisikos aus. Da der Faktor Mensch in Griechenland eine besondere unkalkulierbare Rolle spielt, bin ich darüber in besonderem Maße erfreut. Ein Beispiel: Das letzte große Fährunglück in Griechenland ereignete sich während eines wichtigen Fussballspiels. Die Schiffscrew setzte sich vor die Mattscheibe, während der Hilfsmatrose das Steuerrad übernahm. Der setzte die Fähre gegen einen Felsen.

Eine Lösung könnte neben der konsequenten Energieeinsparung die Nutzung von Wind und Sonne und Erdwärme sein. All das ist in Griechenland im Überfluss vorhanden. Gerade die Inseln könnten sich so selbst versorgen. Die Nutzung von Biomasse ist zumindest in Nordgriechenland denkbar. Entfallen könnten auch viele für die Ägais gefährlichen Öltransporte zu den Inseln. Die bekannten Inseln wie die Kykladen könnten durch eine Kampagne „CO2-neutrale Inselwelt“ einen riesigen positiven Imageschub erfahren. Neben dem alten Wahrzeichen Mykonos, der Windmühle, stünden Windanlagen für die neue Zeit. Auf einigen Inseln wie Nisiros könnte die Erdwärme genutzt werden.

Leider ist diese Vision noch in weiter Ferne. Zwar gibt es hier und da erste Versuche; allein es fehlt bislang am echten politischen Willen. In der Griechenlandzeitung erschien jüngst ein bitterer Brief eines Deutsch-Griechen, der sich seit Jahren mit der Aufstellung einer Solaranlage auf Kreta beschäftigt. Nach seinen Angaben gibt es weder staatliche Unterstützung wie ein EEG, noch bietet die griechische Elektrizitätsgesellschaft die Möglichkeit einer Netzeinspeisung an. Allerdings wurde mir auch berichtet, es gebe diese Gesetze zum Ausbau der erneuerbaren Energien. Bis dato konnte ich nicht mehr herausfinden. Widersprechen müssen sich diese beiden Informationen übrigens nicht: Gesetzestext und Wirklichkeit bilden in Griechenland oftmals keine Einheit.

Auf einer deutsch-griechischen Wirtschaftskonferenz hatte ich das Thema Erneuerbare Energien mit Präsidenten von regionalen griechischen Handelskammern angesprochen und berichtet, wie wichtig diese Technologie mittlerweile in Deutschland für das Handwerk ist. Ich erntete nichts weiter als Achselzucken. Es bleibt also noch ein langer Weg.

Daniel Mouratidis

„Klimaschutz, um aus der wirtschaftlichen Misere herauszukommen“

Rolf Zoellner)Foto: © Rolf Zoellner

Attac-Mitgründer Sven Giegold (39) sorgte im Sommer 2008 mit der Absicht, bei Bündnis 90/Die Grünen für das Europaparlament kandidieren zu wollen, für Furore – in der globalisierungskritischen Bewegung wie in der Partei. Inzwischen ist er Mitglied der Grünen und hat dort u.a. maßgeblich am Antrag „Für einen Grünen New Deal“ mitgearbeitet, der auf dem Erfurter Bundesparteitag verabschiedet wurde. Für GREEN RENAISSANCE hat Till Westermayer ihm einige Fragen zum „Green New Deal“ und zu seinen politischen Plänen gestellt.

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Bekannt geworden bist du durch Attac, das du mit begründet hast. Vor einiger Zeit hast du angekündigt, für Bündnis 90/Die Grünen ins Europaparlament gehen zu wollen und hast dafür auch ein Votum des grünen Landesverbands NRW. Attac wird gerne als Single-Issue-Organisation zur „Globalisierungskritik“ wahrgenommen. Welchen Stellenwert haben ökologische Themen für dich? Weiterlesen

Green IT: Gramm CO2 pro Google-Anfrage

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Das Web 2.0 ist eine tolle Sache, auch, um zum Beispiel Werbung für ökologische Projekte zu machen. Oder um über Nachhaltigkeit zu bloggen. Das Web 2.0 hat allerdings auch seinen ökologischen Fussabdruck.

Jetzt wurde in der britischen Times ein Gastbeitrag des Harvard-Physikers Alex Wissner-Gross veröffentlicht, in dem es einige Überschlagsrechnungen dazu gibt, wie viel Energie – und damit letzlich auch Treibhausgasemissionen – Web 1.0 und Web 2.0 so brauchen (vgl. auch Telepolis).

Dort heißt es, dass der Aufruf komplexerer Websites – Web 2.0 – bis zu 300 mg CO2 pro Sekunde verursacht, während einfache Websites – Web 1.0 – für etwa 20 mg CO2 pro Sekunde Betrachtungszeit verantwortlich sein sollen. Dabei geht es vor allem um den Energieaufwand des Computers, mit dem die Seite betrachtet wird. Je komplexer die Seite ist, und je mehr externe Seitenaufrufe — Energieaufwand verschiedener Server – mit dem Abruf verbunden sind, desto höher werden die Emissionen eingeschätzt. Insofern ist das Web 2.0 schlecht für die Umwelt …

Besonders schlecht schneidet Google ab. Eine einfache Google-Anfrage soll demnach 5 bis 10 Gramm CO2-Emissionen verursachen, also 5000 bis 10000 mg. Schon vor einiger Zeit hat Spiegel Online darüber berichtet, dass „einmal googlen einer Stunde Licht“ entspricht — hier wurden die mit Google verbundenen Emissionen vom Mitbewerber Strato eingeschätzt.

Zum Vergleich: die angepeilte Zielvorgabe der EU für den CO2-Ausstoss im Automobilverkehr liegt bei 120 bis 140 Gramm CO2 pro Kilometer, die heutigen Autos emittieren zumeist deutlich mehr. Ein Elektrowecker braucht z.B. 22 Gramm CO2, eine Portion Bratkartoffeln 40 Gramm CO2. Wie auch immer diese Fußabdrücke genau berechnet wurden (selbst die Emissionen von Twitter lassen sich abschätzen — hier wird zugleich deutlich, wie unscharf diese Angaben sind — Grundlage für die Berechnung sind Computerlaufzeiten eines „Standard-Computers“, die wohl recht hoch geschätzt wurden, ebenso die Schreib- und Lesezeiten. Und das „eh laufen“ ist nochmal eine ganz andere Frage).

Zurück zum vergleichsweise hohen CO2-Ausstoss für Suchanfragen bei Google. Der Grund dafür liegt laut Times in der Infrastruktur, die Google zur Bearbeitung von Suchanfragen verwendet: eine Anfrage wird an mehrere Rechenzentren weitergeleitet, die parallel die Antwort berechnen — die schnellste Reaktion wird dann zurückgegeben.

Google selbst geht allerdings von ganz anderen Daten aus, nämlich von 200 mg bzw. 0,2 Gramm CO2 pro Suchanfrage. Zudem wird auf die eigenen Anstrengungen in Richtung „greening IT“ hingewiesen.

Interessant an dieser ganzen Debatte sind vor allem die indirekten Wirkungen: wer denkt beim Eintippen einer Suchanfrage in die Firefox-Searchbox oder ins Handy schon daran, dass dafür Server in mehreren Rechenzentren schuften müssen – und bisher jedenfalls noch nicht ganz unbedeutende Mengen CO2 dafür freigesetzt werden?