Schlagwort-Archive: lebensstil

Kaufen für die Müllhalde: Geplante Obsoleszenz für den Wachststumswahn?

Beim deutsch-französischen Fernsehsender arte gab es eine sehr gute Dokumentation über die sogenannte „geplante Obsoleszenz“, den eingeplanten Verfall und das erzwungene Nachkaufen von bewusst kurzlebig konstruierten Produkten, „Kaufen für die Müllhalde„, die jemand vor dem depublizieren, vor der eigenen geplanten Obsoleszenz, bewahrt hat. Es geht vom Glühbirnen-Kartell über den Nylonstrumpf bis zum iPod und Computerdrucker – und ist sehr zum Betrachten und Nachdenken empfohlen.*


Weiterlesen

Mobil ins neue Jahr: Automobilwirtschaft und mehr (2)

Opel Flextreme by gmeurope

Opel Flextreme als modernes Elektroauto. Bild: (CC) von gmeuropa auf FlickR

Die Wochenzeitung Die ZEIT schreibt in ihrer aktuellen Ausgabe davon, wie zentral „der Deutschen liebstes Ding“ ist, auch als Wahlkampf- und vielleicht die Wahl entscheidendes Thema:

Das Auto ist im kollektiven Bewusstsein der Deutschen ein Kultgegenstand, der Hirn und Herz gleichermassen anspricht. Schlüsselindustrie und Sehnsuchtsobjekt, Ingenieurkunst und Besitzerstolz. Wer sich ums Auto kümmert, der kümmert sich um Deutschland – und der kümmert sich um die Deutschen. Auch deshalb besucht die Kanzlerin zuerst VW in Wolfsburg und dann Opel in Rüsselsheim. Und deshalb besucht der Kandidat zuerst Opel in Rüsselsheim und dann VW in Wolfsburg.“ (Aus: „Es kann nur einer retten“, Die ZEIT 15/2009 Seite 4 der Printausgabe.)

Wie ist also der Stand im Autoland Deutschland?

Über eine Million Anträge auf Abwrackprämie wurden gestellt. Darüberhinaus hat nun auch Österreich eine Abwrackprämie eingeführt, wenn auch nur 1500 Euro (statt 2500), nahe am Preis des neuen Tata Nano,  und nur bei 13jährigen Altautos (statt 9jährigen), so dass nur mit knapp 100.000 Anträgen gerechnet wird. Zugleich gibt es eine Abwrackprämie in Mannheim jetzt auch für Fahrräder, allerdings in begrenzter Zahl und nur 50,-Euro und nur wenn das neue Fahrrad beim örtlichen Fachhandel gekauft wird.

Auch bei der Elektro-Mobilität gibt es Dank Konjunkturpaket II Fortschritte auch über das Auto hinaus. Während in Kalifornien Tesla Motors das neue Elektro-Auto als Konzept vorstellt und Shay Agassi sein „Better Place“ in Israel und Dänemark umsetzt und vielen weiteren Ländern großflächig umsetzen möchte, wird in Frankfurt am Main auch das Elektro-Fahrrad befördert, mit kostenlosem Strom:

Elektrisch betriebene Zweiräder können in der Frankfurter Innenstadt kostenlos mit Solarstrom aufgetankt werden. Das Umweltforum Rhein-Main stellte die erste Solar- Tankstelle an der Hauptwache vor. Eine Solar-Anlage auf einem Dach liefert den Strom, den sich Fahrer von Elektro- Rollern, Fahrrädern mit Elektrohilfsmotor oder Steh-Rollern aus der Steckdosen-Säule zapfen können. Die Anlage produziere an einem schönen Sommertag bis zu 21 Kilowattstunden elektrische Energie, damit könne ein E-Scooter über 700 Kilometer fahren, teilte das Umweltforum mit. (Quelle)

https://i2.wp.com/teilauto-tuebingen.de/images/home/nav_01_home.gif

TeilAuto als moderne Mobilität

Intelligente Lösungen können auch darin bestehen, auf ein eigenes Auto zu verzichten und gemeinsam Autos zu verwenden wenn nötig: CarSharing. Bei IKEA in Frankreich ist das das Projekt Ikea LEKO,bei Daimler Chrysler, auch ein zunächst unplausibler CarSharing-Anbieter, heisst das in Ulm jetzt „Car2Go“ mit 200 im ganzen Stadtgebiet verteilten Smarts. Ulm soll nach dem Wunsch der Forschungsministerin Annette Schavan Deutschland auch zum Zentrum der Elektro-Mobilität machen, indem dort mit Bundesmitteln die dafür nötigen Batterien neuer Generation entwickelt werden.

Dem Thema Elektroautos will ich mich in der nächsten Blogeintragsfolge ausführlicher widmen.

Wolfgang G. Wettach

Entzugserscheinungen

Wir hatten über das umstrittene LOHAFEX-Experiment berichtet: den Versuch, über das großflächige Ausbringen von Eisen im antarktischen Meer Algen zur CO2-Bindung zu bringen. Wie jetzt u.a. in SpOn zu lesen ist, war LOHAFEX wenig erfolgreich bzw. erwies sich umgekehrt als echtes Experiment (Ausgang ungewiss):

Feedbackschleifen (Zunahme von Frassfeinden etc) und Sättigungseffekte sorgten dafür, dass kaum CO2 gebunden werden konnte. Damit ist schön deutlich geworden, dass die scheinbar so eleganten großtechnischen Lösungen des Klimaproblems ganz so einfach wohl auch nicht funktionieren. Um einen gesellschaftlichen „Kohlenstoffentzug“ (vgl. auch carbon de-tox, eines der aktuellen Hip-Bücher zum Klimawandel) kommen wir also wohl nicht herum.

Till Westermayer

Konservative besonders umweltengagiert?


Berichtetes Umweltverhalten (Anteile „stimme voll und ganz zu“) nach sozialen Milieus; Datenquelle: Studie Umweltbewusstsein 2008. Zum Vergrößern anklicken.

*

Ich hatte ja bereits vor einigen Tagen etwas zur Studie „Umweltbewusstsein 2008“ geschrieben, die auch eine Auswertung der Fragen zu den berichteten Umwelteinstellungen und zum Umwelthandeln nach sozialen Milieus (SINUS) enthält.

Auf einen Punkt bin ich nicht näher eingegangen und möchte das jetzt gerne nachtragen, nämlich auf eine interessante Diskrepanz zwischen der Bedeutung, die dem Umweltschutz zugesprochen wird („Umweltbewusstsein“), und dem berichteten Umwelthandeln. Das „Umweltbewusstsein“ im eigentlich Sinne ist erwartungsgemäß im postmateriellen Milieu mit 64 Prozent Zustimmung besonders hoch. Mit am niedrigsten ist die Zustimmung im Milieu der Konservativen (das entspricht in etwa dem klassischen wertebewussten Großbürgertum — hoher Bildungs- und Sozialstatus, traditionelle Wertorientierung).

Wird jetzt auf das berichtete Umwelthandeln geschaut (siehe Abbildung oben), ergibt sich eine verblüffende Umkehrung — ich habe extra nochmal bei den AutorInnen der Studie nachgefragt, ob die Daten auch richtig abgedruckt wurden. Hier sind es nämlich die Konservativen, die bei der Frage, ob für sie der Energieverbrauch bei der Anschaffung von Haushaltsgeräten sehr wichtig ist, oder ob sie immer Obst und Gemüse aus der Region kaufen, mit 84 bzw. 52 Prozent für „stimme voll und ganz zu“ die anderne Milieus deutlich abhängen. Die Postmateriellen liegen dagegen bei diesen Fragen im oberen Mittelfeld wie die anderen „Leitmilieus“ auch. Dass die Leitmilieus hier generelle vorne liegen, hat — so, nebenbei gesagt, meine Vermutung — auch etwas mit dem Geldbeutel zu tun.

Zurück zum konservativen Umweltengagement im Alltag. Wie diese Befunde zu deuten sind, ist mir nicht so ganz klar. Es kann sein, dass die hier sichtbare Diskrepanz vor allem etwas mit statistischen Artefakten zu tun hat. Oder dass hier eher versucht wird, der angenommenen Erwartung der InterviewerInnen (oder dem zur Zeitpunkt der Befragung gerade virulenten „bürgerlichen Umweltschutzhype“ gerecht zu werden). Ich warte jedenfalls gespannt auf die für das Frühjahr angekündigte wissenschaftliche Detailauswertung der Studie.

Till Westermayer

Zehnmal werden wir noch wach

Xmas 2007 IV

In zehn Tagen ist Weihnachten. Aus diesem Anlass stellt „Green Renaissance“ die Frage: Wie hältst Du es mit den Weihnachtsgeschenken? Sich dem Konsumrausch hingeben — oder lieber gar nichts schenken?

Welche Milieus konsumieren nachhaltig?

Visiting "Demeterhof Hiss" – XIX

Alle zwei Jahre veröffentlicht das Umweltbundesamt eine Repräsentativerhebung zum Umweltbewusstsein. Diese Studien gibt es seit Ende der 1980er Jahre, online liegen sie seit 2000 vor. Einen Überblick über die aktuellen Ergebnisse gibt z.B. der taz-Artikel dazu.

Interessant an der Erhebung des Umweltbewusstseins in Deutschland ist jedoch nicht nur der Inhalt — die Zahl der Deutschen, denen Umweltschutz wichtig ist, schwankt beispielsweise von Jahr zu Jahr erheblich — sondern auch die Tatsache, dass diese Studien immer wieder an neue Forschungsgruppen vergeben werden. Das hat den Nachteil, dass die Vergleichbarkeit der Ergebnisse als Zeitreihe nur bedingt gegeben ist, hat aber den Vorteil, dass immer wieder auch neue Akzente gesetzt werden. Dieses Mal sind es milieuspezifische Unterschiede im ökologischen Konsum. Anders gesagt: eine richtig gute empirische Basis für Aussagen über LOHAS und dergleichen mehr.

Weiterlesen