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Erste griechische Umwelttagung in Stuttgart

Water games I

Lange, sehr lange hat es gedauert, bis endlich auch mal das Thema Umweltschutz für die griechischstämmigen Menschen im Raum Stuttgart thematisiert wurde. Vor kurzem war es dann soweit. Dank des Einsatzes von Dimitrios Pergialis, einem Journalisten aus dem Raum Stuttgart, fand nun vor kurzem ein Umweltschutzkongress in Stuttgart statt. Hier wohnen in der Region immerhin rund 80.000 griechischstämmige Menschen. Dimitrios bringt übrigens das sehr lesenswerte deutschsprachige Magazin Neafon heraus. Er schreibt oft über Umweltproblematiken in Griechenland.

Das große Thema war die Ägäis. Gäste waren Menschen der Umweltschutz-NGO Archipelagos. Sie arbeiten hauptsächlich auf den Dodekanes, zu dieser Inselgruppe zählen beispielsweise Patmos und Kos. Eindrucksvoll berichteten sie von den verschiedenen Gefahren für die Meereswelt. Dazu zählen unter anderem die Überfischung oder die drohende Gefahr eines Schiffsunglücks in der Ägäis durch mangelhaft geschultes Personal.

In einem weiteren Referat wurde Griechenlands Artenreichtum thematisiert. Rund 15% aller Pflanzen Griechenlands kommen nur dort vor. Insgesamt gesehen ist die Biodiversität erstaunlich: Es gibt rund dreimal so viele Pflanzen wie in Großbritanien. Das liegt insbesondere an den teilweise entlegenen Berg- und Inselregionen wie auch an der Tatsache, dass die klimatischen Unterschiede sehr groß sind. Die Organisation hat zum Schutz dieses Reichtums eine eigene Saatgut-Bank eingerichtet.

Ich lernte anhand verschiedener Tonbeispiele auch, dass die Wale und Delphine der Ägägis einen eigenen Dialekt sprechen.

Der zweite Tag war speziell für Kinder. Da war ich dann nicht dabei. Insgesamt war diese Tagung eine tolle Sache, leider sind viele Griechen immer noch erstaunlich resistent gegenüber Umweltschutz. Das kann aber bald anders werden: Die griechischen Grünen liegen seit Monaten stabil bei 3-4% in den Umfragen, was reichen würde für den Einzug ins griechische wie auch ins europäische Parlament.

Vielleicht können wir so eine Veranstaltung wiederholen – speziell an griechisch- wie türkischstämmige Menschen in Deutschland gerichtet? Der Schutz der Ägäis sollte schließlich beide Anrainer angehen.

Daniel Mouratidis

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Riskante Klimaschutztechnologie

Black baltic water (with rain)

In den letzten Wochen gab es recht heftige Auseinandersetzungen darum, ob das deutsch-indische Kooperationsprojekt LOHAFEX gestoppt werden soll oder nicht. Auch dem grünen Parteitag letztes Wochenende lag ein – aus Zeitgründen dann nicht behandelter – Antrag vor, für den Abbruch von LOHAFEX einzutreten. Heute dann die Meldung, dass aus Sicht der Bundesregierung keine rechtlichen oder ökologischen Hinderungsgründe vorliegen. Der WWF und andere bleiben kritisch.

Worum geht es? Das Schiff „Polarstern“ des Alfred-Wegener-Instituts möchte im (antarktischen) Südpazifik eine experimentelle Eisendüngung durchführen. Es soll unter realen Bedingungen untersucht werden, was mit dem Algenwachstum passiert, wenn das Meer mit 20 Tonnen Eisensulfat „gedüngt“ wird. KritikerInnen werfen LOHAFEX vor, dass dieses Experiment unkalkulierbare Auswirkungen auf die Meereslebewesen hat — und dass es gegen das erst im letzten Jahr von der 9. Vetragsstaatenkonferenz der UN-Konvention über die Sicherung der biologischen Vielfalt (CDB) verabschiedete Moratorium für derartige Düngungen verstößt. Pikanterweise liegt der Vorsitz der CDB derzeit bei Deutschland.

An dieser Stelle geht es mir nun gar nicht um das konkrete Experiment. Ich kann nicht beurteilen, ob der Nutzen durch Hinweise darauf, wie Algenwachstum und CO2-Bindung durch das Meer zusammenhängen, größer ist, als der mögliche Schaden, der durch die großflächige Experimentaldüngung erfolgt. Vielmehr sind es zwei Punkte, die beide mit Überlegungen zum „Terraforming“ Erde zusammenhängen.

Zum einen stellt sich die generelle Frage danach, ob es ökologisch und ethisch vertretbar ist, auf risikobehaftete Großtechnologien zur Bekämpfung des Klimawandels zu setzen, wie sie bisher eher in Science-Fiction-Romanen als in der Realität zu finden sind. Die Meeresdüngung ist ein Beispiel dafür, andere wären etwa die massive Verbreitung gentechnisch veränderter Pflanzen mit höherer CO2-Bindung oder das Ausbringen von Partikeln in oberen Atmosphärenregionen. Also letztlich sowas wie ein globales „climate engineering“. Sind derartige Eingriffe durch den politischen Wunsch nach Klimaschutz gedeckt, oder übersteigen sie die menschliche Handlungsfähigkeit?

Zum anderen – und da wird es dann doch wieder etwas konkreter: wer entscheidet, was mit dem Planeten insgesamt geschieht? Bisher sind die entsprechenden internationalen Abkommen ja vor allem auf den Schutz vor nicht gewollten Eingriffen in globale Systeme ausgelegt (etwa das FCKW-Verbot gegen das Ozonloch, Abkommen, bestimmte Stoffe nicht zu verwenden, oder allgemeine Übereinkünfte in Richtung Schutz der Biodiversität). Die mit dem Kyoto-Protokoll verbundenen Maßnahmenbündel gehen teilweise schon in eine andere Richtung (Aufforstungen als aktive – und monetarisierbare – Klimaschutzmaßnahme beispielsweise).

Aber wie sähe das bei dem (ebenfall der Science Fiction entnommenen …) Szenario aus, dass nicht ein „kleines“ Forschungs z.B. ein Meeresdüngungsexperiment durchführt, sondern dass z.B. der neugewählte US-Präsident Obama beschließt, aufgrund der Verantwortung Amerikas für die Welt und der Dringlichkeit von Klimaschutzmaßnahmen unilateral mit Meeresdüngung (oder vergleichbaren Technologien) im industriellen Maßstab anzufangen? Vorstellbar wäre so etwas durchaus. Und dann?

Till Westermayer

P.S.: Heute finde ich bei „The Great Beyond“ (Nature) einen kurzen Hinweis auf eine Studie, die verschiedene „Geo-Engineering“-Projekte nach ihrer Effizienz (und nicht nach anderen Kriterien) untersucht hat. Demnach müsste, wenn überhaupt, eher die Atmosphäre verdunkelt werden als der Ozean gedüngt.