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Die Zukunft der Automobilität: Elektroautos als Antwort?

Als Mit- oder eher Nacharbeiter des Leiters des Verkehrsausschusses im Deutschen Bundestag, Winfried Hermann, habe ich mir vorgenommen den Bereich der Green Economy vor allem den Bereich der Mobilität anzuschauen und hier beim Green Renaissance Blog zu behandeln.

Anfang Mai hat die Grünen-nahe Heinrich Böll-Stiftung in Eisenach, beim Standort der dortigen Opel-Werke, eine Tagung zur Zukunft der Automobilindustrie abgehalten, von der ich Euch das Diskussionsvideo hier schon einmal nahebringen möchte:

(Zum Beitrag im Böll-Blog)

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Die Zukunft fährt Grün: Winne Hermann über nachhaltige Mobilität

Wir GRÜNE wollen nicht anfangen, jetzt Autos zu produzieren. Dennoch werden wir immer gefragt: Wie sieht denn das Auto der Zukunft aus?

„Ein Auto das in Zukunft absolut klimaneutral ist, keine umweltbelastenden Emissionen hat, es wird leise sein, es wird sicher sein, Es macht aber nur Sinn im Rahmen eines integrierten Verkehrssystems das langfristig auf Nachhaltigkeit hin orientiert ist.“

Unter dem Motto „Die Zukunft fährt Grün“ stellte Winne Hermann das Grüne Konzept zum Thema auf dem Grünen Messestand bei der Internationalen Automobil-Ausstellung IAA vor ziemlich genau zwei Jahren vor:

(Zuerst veröffentlicht bei „Wir-für-Winne.de“)

Mobil ins neue Jahr: Automobilwirtschaft und mehr (2)

Opel Flextreme by gmeurope

Opel Flextreme als modernes Elektroauto. Bild: (CC) von gmeuropa auf FlickR

Die Wochenzeitung Die ZEIT schreibt in ihrer aktuellen Ausgabe davon, wie zentral „der Deutschen liebstes Ding“ ist, auch als Wahlkampf- und vielleicht die Wahl entscheidendes Thema:

Das Auto ist im kollektiven Bewusstsein der Deutschen ein Kultgegenstand, der Hirn und Herz gleichermassen anspricht. Schlüsselindustrie und Sehnsuchtsobjekt, Ingenieurkunst und Besitzerstolz. Wer sich ums Auto kümmert, der kümmert sich um Deutschland – und der kümmert sich um die Deutschen. Auch deshalb besucht die Kanzlerin zuerst VW in Wolfsburg und dann Opel in Rüsselsheim. Und deshalb besucht der Kandidat zuerst Opel in Rüsselsheim und dann VW in Wolfsburg.“ (Aus: „Es kann nur einer retten“, Die ZEIT 15/2009 Seite 4 der Printausgabe.)

Wie ist also der Stand im Autoland Deutschland?

Über eine Million Anträge auf Abwrackprämie wurden gestellt. Darüberhinaus hat nun auch Österreich eine Abwrackprämie eingeführt, wenn auch nur 1500 Euro (statt 2500), nahe am Preis des neuen Tata Nano,  und nur bei 13jährigen Altautos (statt 9jährigen), so dass nur mit knapp 100.000 Anträgen gerechnet wird. Zugleich gibt es eine Abwrackprämie in Mannheim jetzt auch für Fahrräder, allerdings in begrenzter Zahl und nur 50,-Euro und nur wenn das neue Fahrrad beim örtlichen Fachhandel gekauft wird.

Auch bei der Elektro-Mobilität gibt es Dank Konjunkturpaket II Fortschritte auch über das Auto hinaus. Während in Kalifornien Tesla Motors das neue Elektro-Auto als Konzept vorstellt und Shay Agassi sein „Better Place“ in Israel und Dänemark umsetzt und vielen weiteren Ländern großflächig umsetzen möchte, wird in Frankfurt am Main auch das Elektro-Fahrrad befördert, mit kostenlosem Strom:

Elektrisch betriebene Zweiräder können in der Frankfurter Innenstadt kostenlos mit Solarstrom aufgetankt werden. Das Umweltforum Rhein-Main stellte die erste Solar- Tankstelle an der Hauptwache vor. Eine Solar-Anlage auf einem Dach liefert den Strom, den sich Fahrer von Elektro- Rollern, Fahrrädern mit Elektrohilfsmotor oder Steh-Rollern aus der Steckdosen-Säule zapfen können. Die Anlage produziere an einem schönen Sommertag bis zu 21 Kilowattstunden elektrische Energie, damit könne ein E-Scooter über 700 Kilometer fahren, teilte das Umweltforum mit. (Quelle)

https://i2.wp.com/teilauto-tuebingen.de/images/home/nav_01_home.gif

TeilAuto als moderne Mobilität

Intelligente Lösungen können auch darin bestehen, auf ein eigenes Auto zu verzichten und gemeinsam Autos zu verwenden wenn nötig: CarSharing. Bei IKEA in Frankreich ist das das Projekt Ikea LEKO,bei Daimler Chrysler, auch ein zunächst unplausibler CarSharing-Anbieter, heisst das in Ulm jetzt „Car2Go“ mit 200 im ganzen Stadtgebiet verteilten Smarts. Ulm soll nach dem Wunsch der Forschungsministerin Annette Schavan Deutschland auch zum Zentrum der Elektro-Mobilität machen, indem dort mit Bundesmitteln die dafür nötigen Batterien neuer Generation entwickelt werden.

Dem Thema Elektroautos will ich mich in der nächsten Blogeintragsfolge ausführlicher widmen.

Wolfgang G. Wettach

Practice what you preach

Street Sign IV: Don't park your UFO here

„Practice, what you preach“ — gerade PolitikerInnen der Grünen wird ja gerne vorgehalten, dass sie doch bitte selbst einen ökologisch vorbildhaften Lebenswandel an den Tag zu legen hätten. Ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist, hunderprozentige „Öko-Korrektheit“ vom grünen Personal zu verlangen. Trotzdem gehe ich davon aus, dass die Ökobilanz der durchschnittlichen grünen Politikerin oder des durchschnittlichen grünen Politikers deutlich besser ausfällt als bei durchschnittlichen Abgeordneten aus anderen Parteien.

Ein Punkt, an dem mir das immer wieder auffällt – wohl vor allem deswegen, weil ich selbst mich für ein Leben ohne Auto entschieden habe – ist der Punkt Führerschein. Natürlich haben auch grüne MinisterInnen Dienstwagen und ChauffeurInnen. Wer aber privat auf das Autofahren verzichtet, wird, denke ich, Bahn und öffentliche Verkehrsmittel auch im politischen Alltag häufiger nutzen als andere. Zudem ist die Kenntnis autoloser Mobilität aus eigener Erfahrung heraus sicherlich von Vorteil für eine weniger autozentrierte Verkehrspolitik.

Hier nun ein paar Beispiele prominenter (deutscher) Grüner ohne Führerschein (der Frage, warum es vor allem Männer sind – und ob der Führerschein immer noch bzw. für die grüne Kerngeneration ein Emanzipationsinstrument für Frauen darstellt bzw. darstellte, wäre gesondert nachzugehen):

  • Jürgen Trittin, Spitzenkandidat der Grünen für die Bundestagswahl, war mal kurze Zeit Verkehrsminister – ohne Führerschein, den er nie gemacht hat (Spiegel Online)
  • Sven Giegold, der von Attac zu den Grünen gekommen ist und für das Europaparlament kandidiert: „Ich bin doch kein Asket! Ich lebe gut.“ (Süddeutsche Zeitung)
  • Reinhard Bütikofer, Spitzenkandidat für die Europawahl (ebenfalls führerscheinlos laut Aussage von Giegold)
  • Andrea Lindlohr, Mitglied im Parteirat der baden-württembergischen Grünen: „Mit 18 in meinem kleinen Heimatdorf (mit Bahnhof) brachte mein jugendlicher Öko-Verantwortungs-Enthusiasmus mir eine recht große Einschränkung meiner Mobilität ein. Heute bin ich mit dem immer noch verbesserungsfähigen, aber guten öffentlichen Verkehr in unserer Region und woanders sehr mobil.“ (Blog)
  • Frank Bsirske, Chef der Gewerkschaft verdi (Süddeutsche Zeitung)
  • Josef Winkler, rheinland-pfälzischer MdB, kommt ebenfalls ohne Führerschein aus (Twitter)

Sicherlich gibt es weitere Beispiele. Das Fehlen eines Führerscheins schützt allerdings auch nicht in jedem Fall vor umweltpolitischem Unsinn, wie das Beispiel Wolfgang Clement (SPD-Realo) deutlich macht. Er soll die Fahrstunden abgebrochen haben, weil er sich mit seinem Fahrlehrer verstritten hatte. Passt.

Till Westermayer. Zuerst veröffentlicht bei autolos.com. Kann gerne ergänzt werden.

Umweltprämie statt Abwrackprämie – VCD wird aktiv

Umweltprämie statt AbwrackprämieWährend die Welt, die beim Thema Schaeffler-Conti klar sieht, noch rätselt, ob die geplanten rettenden Finanzhilfen für Opel (mit Nationalisierung von Anteilen) so erfolgreich werden wie einst die englischen Bemühungen um „British Leyland“ oder ob es sich dabei um eine Abwrackprämie für einen Altmodellbetrieb handelt (weil die erfolgreichen Opel-Kleinwagen nicht in Deutschland entwickelt werden, sondern von der GM-Tochter Chevrolet-Daewoo)… hat der Verkehrsclub Deutschland (VCD) eine beachtliche Campact Kampagne zum Thema Umweltprämie statt Abwrackprämie gestartet:

2.500 Euro bekommt jeder Autokäufer vom Staat, der seinen alten Wagen verschrotten lässt und sich einen neuen kauft. Was ist daran ökologisch?
Herzlich wenig. Was ist mit denen, die kein Auto haben und lieber Bus, Bahn und Rad fahren? Die gehen leer aus. Das nehmen wir nicht hin.

Deshalb haben wir unter http://www.vcd.org/umweltpraemie_jetzt.html eine Protest-E-Mail an das zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) vorbereitet:

Blitzschnell kann über unsere Homepage statt einer Abwrackprämie für Pkw eine staatliche Förderung zum Kauf eines neuen Fahrrads und von Bus- und Bahntickets beantragt werden.

Mit dieser symbolischen Aktion kritisieren wir die einseitige staatliche Hilfe für die Automobilindustrie und geben Euch die Möglichkeit, Einspruch einzulegen.

Je mehr Menschen die E-Mail abschicken, desto höher wird der politische Druck. Also, macht mit, erzählt’s weiter, unterstützt uns!

Mache ich doch gerne. Genauer gesagt: Hiermit getan. Um den GreenRen-LeserInnen noch etwas Mehrwert zu bieten der Hinweis darauf, dass der die autolose Mobilität propagierende Daniel Goldberg bereits vor Wochen per Twitter anregte, eine echte Umweltprämie sollte den ihr Altauto abwrackenden Menschen einen Zuschuss von 2500,- Euro auf den Kauf einer BahnCard 100 finanzieren. Ich habe diese Idee seither aufgegriffen und weiterverbreitet – und bin damit nicht nur bei den Vertretern der DB AG (die Herrn Mehdorns Arbeitszeugnis schon vorbereitet haben) auf der Bildungsmesse didacta in Hannover (wo ich das KITA-Bündnis vorstellte) auf große Zustimmung gestossen. Entsprechend hoffe ich, dass der Vorstoss des VCD eure Unterstützung und durch euch weitere Verbreitung findet!

Nächste Ausfahrt Weihnachten

Bruchsal I

Weihnachten ist ja nicht nur durch Konsumsteigerungen und Einkaufsstres gekennzeichnet, sondern auch durch Mobilität. Hin zur Familie, weg von der Familie, ganz woanders hin. „Green Renaissance“ hat deswegen gefragt: Wo verbringst du die Weihnachtszeit – und wie kommst du hin?

Diana: „Ich feiere Weihnachten und Silvester dieses Jahr in Freiburg (normalerweise findet mindestens eines davon für mich woanders statt), aber die, die mit mir feiern, kommen mit dem Zug.“

Peter: „Weihnachten verbringe ich bei meinen Eltern. Ich fahre mit dem Zug dorthin.“

Katja: „Weihnachten und Neujahr in Deutschlands Süden. Peinlicherweise bin ich die einzige, die eine Strecke fliegt, der Rest fährt Zug, Autoreisezug und Auto. Ein Auto ist dabei ein Carsharing-Fahrzeug, weil zumindest für einen Teil meiner Familie Mobilität im Allgemeinen autofrei stattfindet.“

Dirk: „… auf dem Weg zu Schwiegereltern und Eltern verlasse ich mich auf die DB AG. Freue mich, dass die Bahn immer noch nicht privatisiert ist und hoffe dass dies so bleibt.“

Zumindest unter den an „Green Renaissance“ Beteiligten scheint es also eine klare Präferenz fürs Zugfahren zu geben – und für Weihnachtsfeiern mit der Familie. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Bleibt die Frage: Wo und wie verbringen die Leserinnen und Leser von „Green Renaissance“ die Weihnachtszeit?

Autofahrernation!


Foto: Zanthia, Lizenz CC-BY-NC-SA

Als „Weihnachtsgeschenk für die Bürger“ wird das Bundesverfassungsgerichtsurteil zur Pendlerpauschale bezeichnet. Als kleines Konjunkturpaket. Das soll wohl ein Witz sein? Wer keine Steuern zahlt oder wie ich hohe Mieten, um in der Stadt zu wohnen und kurze Wege zu haben, guckt in die Röhre.

Profitieren tun dagegen diejenigen, die viel im Auto sitzen, sich durch Eigenheim und lange Anfahrtswege an Zersiedelung und Umweltverschmutzung beteiligen. Profitieren tun diejenigen, die selber Natur und Ruhe und niedrige Kosten haben wollen – auf Kosten derjenigen, die die Abgase der Pendler, den Verkehrslärm und den Flächenfraß ausbaden müssen.

Und alles nur, weil die Große Koalition zu feige war, die Pendlerpauschale einfach abzuschaffen. Stattdessen haben sie die 20-km-Grenze eingeführt, die in ihrer Willkürlichkeit nun zum Sargnagel der Reform geworden ist. Zum Schaden der Menschen in den Städten, die übrigens im Schnitt ärmer, kränker und belasteter sind als die VorstädterInnen, denen jetzt der Geldsegen ins Haus steht.

Katja Husen